DMEXCO 2025 – Mutige Werbung macht Marken stark
Interview mit Verena Gründel, Host und Direktorin Brand & Communications der DMEXCO.
Die DMEXCO steht in diesem Jahr unter dem Motto „Be bold. Move Forward.“ Welche Idee steckt dahinter und warum ist entschlossenes Handeln gerade jetzt so wichtig?
Die Resonanz auf das Motto der diesjährigen DMEXCO ist in den Unternehmen extrem stark. Das Thema Mut in wirtschaftlichen Entscheidungen trifft den Zeitgeist und spiegelt die Realität in Deutschland wider. Wir möchten die Branche aufrütteln und dazu ermutigen, Entscheidungen zu treffen und neue Wege zu gehen. Auch gegen die negative Stimmung, die derzeit am Markt herrscht. Das Land steckt in einer wirtschaftlichen Krise und geopolitische wie wirtschaftliche Entwicklungen sind schwer einzuschätzen. Einschlägige Studien belegen jedoch, dass sich antizyklische Investitionen in das Marketing auszahlen und dass Unternehmen, die den Werbedruck aufrechterhalten, mit größerem Marktanteil aus der Krise herausgehen.
Inwiefern spiegeln die diesjährigen Inhalte und Formate das Motto wider?
Im Vorfeld machen wir einen Stimmungstest und erfassen mit einer repräsentativen Studie, wie CEOs die Lage einschätzen und ihr Investitionsverhalten ist. Die Ergebnisse veröffentlichen wir noch vor der DMEXCO. Gleich an Tag eins setzen wir mit unserem Thought Leaders Summit einen starken Akzent und liefern den Besuchern Insights aus erster Hand. Den roten Faden nimmt dann die Diskussionsrunde auf dem ebenfalls mit hochrangigen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft besetzten CMO Summit auf. Ich persönlich werde mit Carsten Marschmeier (CEO Maschmeyer Group) auf der Bühne stehen und im Fireside-Chat diskutieren.
Auf wen dürfen wir uns im September noch freuen?
Unter anderem sprechen dieses Jahr Vanessa Stützle (CEO Luqom), Jean-Remy von Matt (Gründer Jung von Matt), Alma Lipa (CDMO L’Oréal D/A/CH), Rezo (Gründer Nindo), Ann-Katrin Schmitz (Gründerin Baby Got Business), Sir Martin Sorrell (Gründer & CEO S4 Capital), Holger Fischer (Global Head of Brand Strategy Deutsche Bank AG), Oliver Krüger (CMO Lufthansa Group), Daniel Knapp (Chief Economist IAB Europe) und Sascha Lobo (Autor, Publizist und Digitalunternehmer). Wir sind also sehr prominent besetzt.
Was ist für Sie die zentrale Frage auf der DMEXCO 2025?
In den Themenfeldern Forschung, Innovation und KI ist Deutschland entgegen der manchmal doch recht negativen Presse relativ gut aufgestellt. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg ist aber, wie neue Technologie in tragfähigen und skalierbaren Geschäftsmodellen umgesetzt wird. Das ist die zentrale Frage und Voraussetzung für mutige Entscheidungen. Da ist noch reichlich Luft nach oben. Wie das gelingen kann, werde ich im Gespräch mit Carsten Marschmeier diskutieren.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt die DMEXCO in diesem Jahr? Welche Rolle spielt KI?
Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen wird KI bei der DMEXCO kein expliziter Schwerpunkt sein. Der Grund dafür ist einfach: Digitales Marketing ist heute ohne KI nicht mehr denkbar – das Thema durchzieht alle Formate, ganz selbstverständlich. Unser Anliegen ist es, Agenturen, Brands und Plattformbetreibern Orientierung zu geben, wie sich die Geschäftsmodelle rund um KI entwickeln und welche Anwendungen heute bereits tragfähig und realistisch sind. Zudem widmen wir uns mit neuen Summit-Formaten gezielt den Schwerpunkten Commerce, Creator Marketing, Audio, AdTech und MarTech. Der Creators Summit greift die enorme Dynamik der Creator Economy auf. Die Bedeutung von Influencer*innen wächst rasant, sowohl für Plattformen als auch für Marken. Entsprechend investieren Unternehmen weltweit zunehmend größere Budgets in dieses Feld.
Welche Trends bewegen die digitale Wirtschaft aktuell besonders?
Retail-Media, Programmatic TV und Addressable TV werden Schwerpunkte sein. Auch Digital OOH bekommt wieder einen eigenen Summit. Was weitere Trends betrifft, besteht starke Nachfrage nach integrierten Lösungen entlang der Customer- Journey – von First-Party-Daten über Omni-Channel-Kommunikation bis hin zu Retail-Media und Social Commerce. Dabei spielt insbesondere die Messbarkeit von Kampagnen und der intelligente Einsatz von Daten eine immer größere Rolle. Marken suchen nach Wegen, ihre Botschaften in fragmentierten Kanälen wirksam zu platzieren und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Sie haben in der Vergangenheit viel in Performance investiert und ihre Markenpositionierung etwas vernachlässigt. Hier braucht es gerade für Markenartikler ein sinnvolles Gleichgewicht. Diese Herausforderungen greifen wir in einer Studie auf, die wir exklusiv mit Kantar durchgeführt haben und auf dem CMO Summit präsentieren werden.
Es geht also darum, wie die deutsche Werbung Marken stark macht?
Exakt. Auf dem diesjährigen Cannes Lions Festival haben wir mit Kantar bereits die ersten Studienergebnisse gezeigt, die exklusiv auf Einschätzungen deutscher Marketingverantwortlicher basieren – eine Besonderheit in einer oft international dominierten Debatte. Die zentrale Frage lautet: Ist „Made in Germany“ in der Werbung noch stark genug, um Marken langfristig aufzubauen? Die Antwort: Ja – aber Brands sollten unbedingt noch etwas mutiger und emotionaler werben.
Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg ist, wie neue Technologie in tragfähigen und skalierbaren Geschäftsmodellen umgesetzt wird. Das ist die zentrale Frage und Voraussetzung für mutige Entscheidungen.
Was bedeutet das konkret mit Blick auf den Return-on-Marketing-Investment?
Unsere gemeinsame Studie mit Kantar zeigt, dass aus Sicht deutscher Marketer vor allem vier Faktoren den RoI deutlich steigern: kreative Qualität, Balance zwischen Markenaufbau und Performance-Marketing, Optimierung des Mediamixes und gezielte Ansprache der Zielgruppen. Auffällig ist, dass 63 Prozent der Befragten angeben, die Bedeutung kreativer Qualität habe in den letzten Jahren zugenommen. Gleichzeitig ist fast die Hälfte unsicher, ob die richtige Balance zwischen Markenaufbau und Performance-Marketing gefunden wird. Dabei lohnt sich Mut zur Kreativität: Marken mit hoher kreativer Power erzielen durchschnittlich einen um 38 Prozent höheren Markenwert. Besonders wichtig sind in Deutschland Storytelling und emotionale Bindung als zentrale Elemente wirkungsvol ler Kreativideen. Trotzdem dominiert hierzulande noch immer rationale Werbung – emotionale Ansätze sind im Vergleich zu anderen europäischen Märkten unterrepräsentiert, obwohl sie nachweislich deutlich stärkere Markenwirkungen erzielen. Das werden wir auf der DMEXCO diskutieren.
Welche Aspekte werden im deutschen Werbemarkt häufig unterschätzt?
Insbesondere unverwechselbare Kreationen mit lokalem Bezug, Konsistenz in der Markenkommunikation, authentische Alltagssituationen und Diversität in der Darstellung.
Spannend und für die Praxis extrem relevant. Anderes Thema: Auch mit Datenethik wird sich die DMEXCO 2025 beschäftigen?
Ja, definitiv. Datenethik ist für uns kein Randthema, sondern ein zentraler Aspekt digitaler Verantwortung. In einer Zeit, in der KI, personalisierte Werbung und First-Party-Daten das Marketing prägen, braucht es klare Leitlinien für Transparenz und Fairness. Auf der DMEXCO diskutieren wir diese Fragen in verschiedenen Formaten – von digitaler Souveränität bis hin zum verantwortungsvollen Einsatz von Daten im Alltag der Markenführung.
Warum sollte jeder, der sich mit Werbung beschäftigt, bei der DMEXCO 2025 vorbeischauen?
Weil die DMEXCO definitiv die Entscheidermesse to go ist. Über 27 Prozent unserer Gäste sind aus dem C-Level und gut 64 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind Decision-Maker. Zudem bietet die DMEXCO 2025 ein beeindruckendes Line-up: Über 800 Speakerinnen und Speaker treten auf – in Keynotes, Panels, Fireside- Chats und Masterclasses. Insgesamt gibt es für die Besucher mehr als 200 Stunden Programm, verteilt auf 16 Bühnen. Mit unseren rund 15 Summit-Formaten – angefangen beim Thought Leaders Summit und CMO Summit bis hin zum Agencies und Creativity Summit – decken wir das gesamte Spektrum der digitalen Wirtschaft ab. Dazu kommt eine vielfältige Expo mit zahlreichen Interaktionsflächen, Networking- Zonen und natürlich den DMEXCO Worlds: World of Tech, World of Commerce, World of Agencies und World of Media plus Start-up- Area. Kurz: Zwei Tage voller Inspiration, Austausch und konkreter Lösungen.
